Wissenswertes zur Pfarrkirche

Wissenswertes zur Pfarrkirche

Kleine Führung durch die Kirche St. Laurentius von Niederhollabrunn

Der Hochaltar stammt vom "Tischler und Bilderschnitzer" Jakob Trimbor aus Großweikersdorf. Zusammen mit den hiesigen Tischlern hat er dieses ansehnliche Werk zuwege gebracht.
Der Hochaltar stellt in der Mitte den Patron unserer Pfarre, den Diakon Laurentius dar. Er hat das Folterinstrument in seinen Händen, mit der er hingerichtet wurde. Er ist in der Christenverfolgung in Rom bei lebendigem Leibe zu Tode geröstet worden. Sein Patronatsfest wird am 10. August gefeiert. Ganz oben eine herrliche Darstellung der heiligen Dreifaltigkeit, flankiert von den beiden Blasengeln. Um die gab es allerdings mit Jakob Trimbor einen Streit. Der Bildhauer wendete sich an den Erzbischof von Wien, weil ihm die Pfarre die beiden Blasengel noch nicht bezahlt hätte. Der Pfarrer schrieb zu seiner Rechtfertigung an den Bischof: Die Arbeiten am Altar sind so zögernd weitergegangen, und die Arbeiter haben dabei soviel gegessen und getrunken, dass die Engel bei weitem abgegolten sind.

Das Marienbild, das sie über dem Hochaltar sehen, war ursprünglich am heute nicht mehr vorhandenen rechten Seitenaltar, dem sogenannten Dienstbotenaltar (= Katharinenaltar). Bei der Errichtung des neuen Hochaltares wurde das Wallfahrtsbild "Maria Hilf", das hinten die Jahreszahl 1669 trägt, hier eingefügt. Es soll eine der vielen Kopien des Maria-Hilf-Bildes von Lukas Kranach sein.

Die Heiligenstatuen von links beginnend:
Der Heilige Sebastian, der im 3. Jahrhundert in der Christenverfolgung als Blutzeuge des Glaubens sein Leben lassen musste. Nach der Überlieferung durch Bischof Ambrosius, stammte dieser aus Mailand und wurde unter Kaiser Carinus Soldat. Als dann Diocletian an die Macht kam, wurde er an einen Pfahl gebunden und mit Pfeilen durchbohrt. Eine Witwe namens Irene soll den anscheinend Toten abgenommen haben. Aber sie bemerkte, dass er noch lebte. Nach seiner Gesundung soll er, der Legende nach, wieder zu Diocletian gegangen sein und den Kaiser beschuldigt haben, ungerecht Menschen zu verfolgen. Der wütende Kaiser ließ ihn daraufhin festnehmen und auf der Rennbahn von Rom am 20. Jänner 288 mit Keulen zu Tode prügeln.

Der zweite Heilige von links ist der Hl. Mauritius, der zweite Patron von Passau. Sein Fest ist am 22. September. Er und seine Gefährten stammten aus der Thäbäischen Legion, die für die Kaiser immer eine Elitetruppe war. Mauritius war Hauptmann dieser Truppe. Auf Befehl Diocletions wurden er und seine Gefährten im Jahre 302 in Agaunum, im heutigen Schweizer Wallis gelegen, "Mann für Mann" umgebracht. Bereits vor 380 beginnt die Verehrung der Heiligen in einer Holzkapelle. Heute steht über der Stätte des Martyriums das Kloster Sankt Maurice.

Der Heilige Florian ist uns als Schutzpatron der Feuerwehr ja sehr bekannt. Sein Fest feiern wir am 4. Mai. Er erlitt in Lauriacum, das ist Lorch an der Enns, den Tod als Märtyrer. Ursprünglich war er Stadthauptmann von Cetium, dem heutigen Sankt Pölten. Er war in die Hauptstadt von Ufernorikum gekommen, das war damals Lauriacum, um für seine eingesperrten christlichen Militärkameraden Fürbitte einzulegen. Er wurde aber gleich mit ihnen eingekerkert, wurde selbst Christ und mit 40 weiteren Christen in der Enns ertränkt

Der Heilige Rochus durfte in der Barockzeit als Nothelfer gegen Seuchen nicht fehlen. Man findet ihn auf dem Hochaltar ganz rechts. Der Heilige kam in Montpellier als Sohn frommer Eltern zur Welt. Er verliert in jungen Jahren durch Seuchen seinen beiden Eltern und verteilt seinen gesamten Besitz, um Arme und Gebrechliche zu versorgen. Er soll von Gott die Gnade erhalten haben, durch die Bezeichnung mit dem Kreuz seuchenbefallene Menschen zu heilen. Er selbst hat sich in Piacenza bei der Pflege Pestkranker mit dieser Krankheit infiziert und überlebte sie. Der Hund, der oft neben Rochus dargestellt wird, soll ihm in seiner Krankheit Brot gebracht haben. Als er wieder in seinen Heimat Montpellier zurückkam, verleumdete man ihn als Spion, warf ihn in den Kerker und ließ ihn dort umkommen. Sein Fest feiern wir am 16. August, das Todesjahr ist 1327. Seine Reliquien sind 1485 nach Venedig übertragen worden und ruhen in San Rocco.

Die Kanzel ist von Persönlichkeiten geschmückt, die mit dem Ordensleben der Franziskaner verbunden waren, denn die Kanzel war ursprünglich im Franziskanerkloster Sankt Koloman in Stockerau. Oben ist der gute Hirte dargestellt mit 4 Engeln, die die Haupttugenden Glaube, Hoffnung, Liebe und Gnade darstellen. Das Reliefbild an der Kanzeltüre stellt den Hl. König Wenzel dar. Das Mittelbild an der Kanzelbrüstung zeigt das Martyrium des Heiligen Koloman in der Stockerauer Au. Um das Jahr 1000 erreichte der deutsche Nationalismus in unseren Gebieten einen traurigen Höhepunkt. Neben unzähligen anderen anderssprachigen Menschen wurde auch der einfache Pilger Koloman, ein iroschottischer Mönch, auf seiner Pilgerreise nach Jerusalem, aufgegriffen und am 17. Juli 1012 in der Au gelyncht. Markgraf Leopold III., der Heilige, ließ die Reliquien des Märtyrers am 13. Oktober 1113 nach Melk übertragen. An der Stätte seines Martyriums wurde vom Stift Melk aus eine Kapelle und später das Kloster der Franziskaner errichtet.
Das linke Bild in der Kanzelbrüstung stellt den Heiligen Bruno dar. Bruno wurde in Köln 1030 geboren. Er studierte im Reims und wurde dort über 20 Jahre lang Leiter der Domschule. In den Wirren des Investiturstreits verzichtete er auf seine Ämter, verließ Reims und ging schließlich nach Cartusia, einst die Geburtsstätte des Karäuserordens. Er war Berater vieler berühmter Persönlichkeiten, ja selbst des Papstes Urban II. Er starb am 6. Oktober 1101 in seinem Kloster San Stefano di Bosco, nahe la Torre.
Das reche Bild stellt den Heiligen Antonius von Padua dar. Er ist Kirchenlehrer und der große Franziskanerprediger seiner Zeit. Sein Gedenktag ist der 13. Juni. Er wurde als Sohn einer reichen Adelsfamilie in Lissabon 1195 geboren und wurde zunächst Augustiner Chorherr in Coimbra (Portugal). Nach der Ermordung von fünf Franziskanermissionaren in Marokko tritt er selbst in den Orden ein, nimmt Kontakt mit Franz von Assisi auf, und wird der große oberitalienische Prediger, dem bis zu 30.000 Menschen zugehört haben. Sein Todestag war der 13. Juni 1231.

Der vordere Seitenaltar auf der Südseite (= Altar beim Taufbrunnen) stellt das Martyrium von Johannes Nepomuk dar, der Altar auf der Nordseite Joachim und Anna, die Eltern Marias. Wenn auch die Seitenältäre und die Kanzel nach außen hin mit dem Hochaltar sehr gut zusammenpassen, so sind sie doch erst nach 1780 hierher gekommen. Nach der Auflösung des Stockerauer Franziskaner-Klosters Sankt Koloman durch Josef II., hat die Pfarre Niederhollabrunn die beiden Seitenaltäre und die Kanzel aus der Abbruchsmasse gekauft. Die beiden Altarbilder sind signiert mit Peeter von Roy, der schon 1683 Mitglied der Lukas-Gilde in Antwerpen war, wo ja bekanntlich auch Rembrandt als Lehrer tätig war. Van Roy kam aus den damals noch österreichischen Niederlanden in unsere Gegend.

Der rückwärtige Seitenaltar an der Nordseite stellt die Dreifaltigkeit mit der Heiligen Familie dar. Er war ursprünglich in der Kirche von Karnabrunn. Nach Errichtung der klassizistischen Kirche wurde dieser frühbarocke Altar von der Pfarre gekauft, renoviert und hier aufgestellt.
Der rückwärtige Altar auf der Südseite ist der Passionsaltar und zeigt Maria und Johannes unter dem Kreuz. Am Fuße des Kreuzes ist eine Pieta von Maria Dreieichen, die auf die jährlichen Fußwallfahrt der "Bruderschaft Maria Reinigung" hinweist, die ursprünglich für die Erhaltung der Kirche sorgte.

Die Grabsteine an der Rückseite der Kirche, unter dem Chor, waren ursprünglich im Bauschutt vergraben und wurden erst im Zuge der Innenrenovierung 1990 entdeckt. Sie weisen auf wichtige Pfarrer hin, die in dieser Pfarre gewirkt haben bzw. auf Steinmetz Georg Hackl mit Gattin.